2. April 2017 - Sonntag „Judika”

 

Recht und Gerechtigkeit - das ist seit je das Thema des Sonntag Judika. 
So drängend und aktuell ist heute der Ruf nach Frieden und Gerechtigkeit, dass die Nordkirche am kommenden Sonntag Judika zu einem großen Themengottesdienst einladen möchte!

Miniatur aus dem Stuttgarter Psalter - Cod.bibl.fol.23 © Württembergische Landesbibliothek Stuttgart 

Geleitwort von Landesbischof Gerhard Ulrich

Liebe Schwestern und Brüder,

„Könnte ich doch hören, was Gott der Herr redet, dass er Frieden zusagte seinem Volk”, heißt es in Psalm 85.

Eine Friedenszusage inmitten aller Ungewissheiten, die wir täglich sehen und hören, inmitten von Kriegen und Konflikten weltweit. Die Bilder besonders aus dem mittleren Osten sind erschreckend: Jesiden, Christen, Muslime und Andersgläubige fliehen vor Angst und schrecken, vor Hass und Gewalt, vor Völkermord und Bürgerkrieg.

Gewalttaten haben auch in Europa eine neue Dimension erreicht. Bei vielen Menschen in Schleswig-Holstein, Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern wachsen Sorgen und Ängste.2016 war ich bei dem Friedenskongress in Assisi, zu dem die Gemeinschaft St. Egidio eingeladen hatte.

Gemeinsam haben wir - orthodoxe, römisch- katholische und protestantische Christen, Muslime, Juden, Hindus, Sikhs, Buddhisten und Repräsentanten anderer Religionen - für den Frieden gebetet und einen Appell verfasst, in dem es heißt:

„Gottes Name ist Frieden. Wer den Namen Gottes nennt, um Terrorismus, Gewalt und Krieg zu rechtfertigen, folgt nicht Gottes Fußstapfen. Krieg im Namen der religionen wird zu einem Krieg gegen die religion selbst ... Lasst uns die Führer der Nationen drängen, die Gründe des Krieges zu entschärfen: die Machtgier und Geldgier, die Gier der Waffenhändler, persönliche Interessen und Blutrache für zurückliegende Fehler ... möge ein neues Zeitalter beginnen, in dem die globalisierte Welt eine Menschenfamilie werden kann.”

Im Gottesdienst können wir als Christinnen und Christen in unseren Gebe- ten Klage und Dank vor Gott bringen und aus den biblischen Friedensverheißungen Kraft und Zuversicht zum Handeln schöpfen.

Der Theologe Dietrich Bonhoeffer sagt dazu: „Friede muss gewagt werden, ist das eine große Wag- nis, und lässt sich nie und nimmer sichern. Friede ist das Gegenteil von Sicherung. Sicherheiten fordern heißt Misstrauen haben, und dieses misstrauen gebiert wiederum Krieg. sicherheiten suchen heißt sich selber schützen wollen. Friede heißt sich gänzlich ausliefern dem Gebot Gottes, keine Sicherung wollen, sondern in Glaube und Gehorsam dem allmächtigen Gott die Geschichte der Völker in die Hand legen und nicht selbstsüchtig über sie verfügen wollen.”

Diese Worte sind wie der Appell von Assisi eine Aufforderung: seid salz, wagt Frieden, mischt euch ein. Diese brennende, sehnsuchtsgefüllte Welt - sie hungert nach Frieden und Gewissheit. Sie sehnt sich danach, dass wir Zäune abreißen und alle Furcht vor der Vielfalt und dem Fremden ablegen.

Angeregt durch die Friedenskonsultation in Jamaika 2011 und die 10. Vollversammlung des Ökumenischen Rates der Kirchen in Busan 2013, hat sich die Nordkirche auf ihrer Landessynode im September 2016 auf den Weg gemacht. Sie lädt alle ihre Mitglieder in Kirchengemeinden, in Diensten und Werken ein, an ihren Orten eine "Kirche des gerechten Friedens" zu werden.

Das Materialheft zum Sonntag Judika 2017 will helfen, Schritte auf diesem Weg zu gehen.

Ich grüße sie mit dem Friedensgruß, der uns am Ende der Predigt zugesprochen wird: "und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft - und tiefer reicht als all eure Ängste - bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus".

Ihr / Euer
Gerhard Ulrich
Landesbischof der Nordkirche

Gottesdienste am Sonntag Judika 2017

 

 

Veranstaltungskarte
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Postkarten und Kerzen mit dem Bildmotiv „…dass Gerechtigkeit und Frieden sich küssen“ (Psalm 85,11) können Sie hier bestellen: www.bestellung-nordkirche.de

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